Vogesen 2021

Hueni

Paragrafenreiter
Häufig, wenn ich im Schwarzwald unterwegs war, habe ich kleinere Abschnitte der Vogesen in meine Touren eingebaut. Ich mag den Schwarzwald sehr, aber die Vogesen haben sich im Laufe der Zeit zu meinem Sehnsuchtsrevier entwickelt. Es hat aber einige Zeit gedauert, bis ich das erste Mal für ein paar Tage dort war. 2019, im Jahr der Anschaffung unseres Wohnmobils war ich mit der SX in Kaysersberg, von Mittwoch bis Sonntag, und hatte dort sehr viel Spaß. Es war so schön, dass ich zuhause gesagt habe, dass ich die Tour auf jedem Fall im nächsten Jahr wiederholen will. Dann kam 2020, es kam nicht alleine, sondern hatte Corona im Gepäck. Gerade der Grand Est war von Corona in Frankreich besonders betroffen, mich hat das traurig gemacht. Im September 2020, als Corona gerade auf einem niedrigen Niveau war, war ich mit Womo und SX in Kirchzarten , hatte dort viel Spaß, habe aber auf jeder Anhöhe sehnsüchtige Blicke in die Vogesen geworfen. Rüberzufahren habe ich mich nicht richtig getraut, aus Angst dort zu verunfallen und vielleicht dort in einem Krankenhaus zu landen. Ich hätte kein gutes Gefühl gehabt und somit sicher nicht so viel Spaß. In diesem Jahr hatte ich bereits im Sommer die geplante Moped Tour nach Norwegen ad acta gelegt, weil Corona die Situation zu unsicher gemacht hatte. Ich habe dann auf Frankreich, die Route des grandes Alpes umgeschwenkt. Leider ging auch die Tour in die Hose, wegen meinem Leistenbruch. Die Hoffnung war dann, Mitte September mit Womo und Motorrad nach Innertkirchen zu fahren und dort auf den Schweizer Pässen Spaß zu haben. Leider ging auch das wegen meines Leistenbruchs in die Hose, im wahrsten Sinne des Wortes. So habe ich dann zu meiner Frau gesagt, wenn ich wenigsten in die Vogesen käme, wäre ich schon zufrieden. Leider gestaltete sich die Absprache mit meinem Stellvertreter auf der Arbeit trotz maximaler Flexibilität unsererseits auch nicht ganz einfach. Aber, Anfang Oktober konnte ich fahren. Der von mir favorisierte Campingplatz in Kaysersberg hatte nur bis zum 30.09. geöffnet, so daß eine Alternative erforderlich war. Nach Studium von Google Maps entschied ich mich dann für den Campingplatz in Riquewihr, der mitten im Weinanbaugebiet liegt, nahe der wunderschönen Städtchen von Riquewihr und Ribeauville und vor allem auch nur knapp 1 KM von einer guten Total Tankstelle entfernt. Wegen meiner Leiste war recht schnell klar, dass die SX zuhause bleibt und ich die V-Strom mitnehme. Nach relativ frühem Start am 01.10. war ich dann gegen 14:00 Uhr auf dem Campingplatz in Riquewihr. Schnell den Anhänger abgekuppelt, in Parking Positon geschoben, die V-Strom abgeladen, kurz einen Happen gegessen und dann rein in die Motorrad Klamotten und ab dafür. Die erste Tour ging in Richtung Ribeauville, vorbei an der Haute Koenigsbourg, über Aubure in Richtung Col de la Schlucht. Dann ein Stück auf die Route des Cretes gefahren, über Trois Epis, den Col du Wettstein und den Col de Freland zwischen durch wieder in Richtung Riquewihr und dort was gegessen. Traditionell gibt es am Ankunftsabend immer Reste vom Vortag, und erstaunlicherweise auch dieses Mal wieder Nudeln Bolognese. Am Samstag gab es dann Kurven räubern im Bereich vor dem Col de la Schlucht, dann eine Mittagspause am Womo mit Kaffee und Brötchen und am Nachmittag noch eine Tour über die Route des Cretes, am Grand Ballon vorbei, bis hin zur Gedenkstätte am Vieil Armand , oder auf deutsch Hartmannswillerkopf in der Nähe von Cernay. Nach einem kurzen Blick auf den dortigen Friedhof, ging es dann wieder über die Route des Cretes bis runter nach Kaysersberg, die letzten KM im dunklen, bei herrlich milden Spätsommertemperaturen, die deutlich höher waren, als die auf der Route des Cretes. Am Sonntag ging es noch einmal über den Col de Fouchy, einer Strecke, mit der ich persönlich nicht so gut klarkomme, weil ich dem Asphalt mit den vielen kleinen Steinchen nicht traue, und weiter in die nördlichen Vogesen. Die Strecke hatte ich irgendwann mal daheim geplant und bin sie jetzt abgefahren. Es ging über Le Hohwald, über den Mont Sainte-Odile, den Col de la Steige in Richtung Saint Marie aux Mines, den Col de la Bonhomme, am Lac Blanc vorbei über Trois-Epis in Richtung Kaysersberg und von dort noch ein kleines Stück über die Route de Vin. Die letzten zwei Stunden war ich im Regen gefahren und habe am Col du Wettstein am französichen Friedhof Halt gemacht. Was für ein bedrückender Ort bei Regenwetter. Im weiteren Verlauf, am Tag der deutschen Einheit habe ich noch am deutschen Soldatenfriedhof in Hohrod Halt gemacht. Da für den kommenden Montag und auch für den Dienstag permanenter Regen angesagt war, habe ich mich (wie ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, zum Glück) dafür entschieden am Montag heim zu fahren. Am Montag war ich dann gegen 8:00 Uhr Abreisefertig und habe mich auf dem Weg gemacht. Die Vogesen haben mir wieder sehr viel Spaß gemacht, eine Wiederholung in 2022 habe ich mir fest vorgenommen, aber spontaner, wenn möglichst durchgehend schönes Wetter angesagt ist. Ich habe ungefährt 8 Stunden Fahrzeit mit Womo und Anhänger. Die Fahrzeit ist gut investiert, weil die Vogesen ein traumhaftes Revier zum Motorrad fahren sind. Die Franzosen sind gegenüber Motorradfahrern sehr freundlich, das Flair in den Vogesen mag ich, die Kosten für die Campingplätze sind überschaubar. Es ist jedes Mal eine kleine Alltagsflucht. Bilder und der Rest der Geschichte folgen.
 
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Hueni

Paragrafenreiter
...und jetzt ein paar Bilder
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Campingplatz Riquewihr

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auf der Route des Cretes
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am Col du Wettstein
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Ribeauville mit Haute Koenigsbourg
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so pi mal Daumen ca ungefähr kurz nach der Erstbefahrung des Col du Wettstein :-)
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auch auf der Route des Cretes
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Vieil Armand
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...der Col de Fouchy und ich werden keine Freunde
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irgendwo in den Vogesen
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La Linge
 

Hueni

Paragrafenreiter
...und weiter geht es....
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deutscher Soldatenfriedhof Hohrod

Wenn ich über das Alter der gefallenen Soldaten auf beiden Seiten nachdenke, werde ich demütig und und noch ein bisschen dankbarer für mein bisheriges Leben

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...dann am frühen Montag Nachmittag die letzte Pause auf dem Weg nach Hause.
 

Hueni

Paragrafenreiter
Die V-Strom hat sich in den Vogesen wirklich gut geschlagen. Die Motorleistung ist völlig ausreichend, die Reichweite taugt auch für lange Tagestouren, der Komfort ist richtig gut. Auf den engen kleinen Straßen hat sie mir besonders viel Spaß gemacht, weil sie so handlich ist.
Weniger schön war die Geschichte mit den Heizgriffen. Mit den Griffen, wo die Bedieneinheit im Griff selber verbaut war, kam ich überhaupt nicht zurecht. Auf den Höhenstraßen hätte ich teilweise gerne die Heizgriffe nutzen wollen, allerdings haben die sich dann alle Nase verstellt, die Temperatur hat nie gepasst. Zuhause habe ich dann auf die Daytona mit der separaten Bedieneinheit umgerüstet und bin glücklich und zufrieden damit. Ferner haben mich die kleinen Steinchen, die gegen den Motorschutz gerasselt sind, ab und zu ein bisschen nervös gemacht und ich habe zuhause einen Kühlerschutz nachgerüstet.
Und warum bin ich "zum Glück" einen Tag eher heimgefahren?
Das hatte für mich eine ganz traurige Geschichte, die mir immer noch und wohl noch für lange Zeit in den Gliedern steckt. Am Montag wurde ich, wie nach jeder Tour üblich, von meinem Paule, meinem geliebten Labbi, freudig begrüßt. Am Dienstag war ich vormittags Motorrad fahren, danach waren wir draussen im Garten, ich hatte einen Kaffee, die Nachbarn kamen, Paule hat richtig gestrahlt und Spaß gehabt. Abends wollte er nicht mehr aufstehen, was wir auf ein Zeckenmedikament zurückgeführt haben, was er am Mittag bekommen hatte. Am Mittwoch hatte sich die Situation nicht geändert, der Tierarzt hat dann festgestellt, dass ein nicht erkannter und bekannter Tumor in der Milz geplatzt ist. Er wurde noch am gleichen Tag, seinem 10. Geburtstag notoperiert. Nachdem er kurzfristig auf dem Weg der Besserung war, ist er am Montag in der Tierklinik in meinen Armen für immer eingeschlafen. Ohne Paule ist für uns nichts mehr wie es ist, wir sind unendlich traurig, dass er nicht mehr da ist. Paule, sein Wesen, alles was er für uns bedeutet hat, sind unersetzbar.
Trotzdem haben wir alle gesagt, wir wollen nicht ohne Hund leben. Ich wollte dann eigentlich meiner Familie eine Anzeige, die ich Wochen vorher gesehen hatte, in denen schwarze Labrador Welpen "angeboten" wurden, zeigen. Bei suchen der Anzeige bin ich aber schnell auf eine Anzeige gestoßen, in der für einen kleinen Welpen eine Familie gesucht wurde, weil die Familie dem Züchter morgens abgesagt hatte. Da wir in der Familie alle an das Schicksal glauben, haben wir uns näher mit dem Thema beschäftigt, und relativ schnell ist "Gustav", ein brauner Labrador-Appenzeller Mix, bei uns eingezogen. Es passte für uns alles, wir haben unseren Paule verloren, Gustav hatte "seine Familie" verloren.
Wir haben bei aller Trauer ein wenig unser Lächeln wiedergefunden.
 
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Sorro

Well-known member
Danke für den Reisebericht und die schönen Fotos. Wirklich eine tolle Gegend. Hab es ja nicht weit und dafür bin ich viel zu selten dort unterwegs. Es ist wie immer... Was man vor der Haustür hat, schätzt man nicht so richtig.

Das mit Paule tut mir leid. Kann es nachvollziehen, haben auch nen Labbi. Leia ist jetzt sechs Jahre alt und ihre Vorgängerin ist mit knapp 14 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Wünsche euch und Gustav alles Gute! Auch wenn der Anlass ein trauriger war, freue ich mich für ihn, dass er einen schönen Platz gefunden hat.
 

Hueni

Paragrafenreiter
Danke dir. Paule kannte ich, seit er dreieinhalb Wochen alt war. Bin von da an sechs Sonntage hintereinander 350 Km gefahren um ihn zu besuchen. Als Paule Tod war, war das, als ob ein Stück von mir selbst gestorben ist. Ich bin froh, das der kleine Teufel da ist und auch seine Aufmerksamkeit verlangt und natürlich all das kriegt, was Paule auch gekriegt hat.
Vogesen und Schwarzwald sind beides super Reviere, auch der Nordschwarzwald. Ich begnüge mich mit Sauerland und Bergischen Land, auch nett😉
 

SiRoBo

Well-known member
Vielen Dank für die Einblicke in Dein (Motorrad-) Leben.

Vogesen war ich jetzt wegen dem Covid Schrott und ohnehin weniger Zeit für sowas als früher schon viel zu lange nicht. Es war aber jedes Mal echt schön dort zu sein. Das ist einfach nochmal anders als Schwarzwald, weil noch weniger Käffer und freie Fahrt abseits der großen Straßen.

Von Hunden habe ich keine Ahnung, stelle mir so eine Trennung aber trotzdem hart vor. Auch wenn man sachlich gesehen damit rechnen muss die Tiere zu überleben - wer es anders möchte, muss sich Schildkröten anschaffen. Klingt zwar komisch, stellt sich mir als Keinhundbesitzer oder auch Hundenichtbesitzer so dar.
 

skalar-fan

Onkel Dittmeyer
Servus Simon

Nachdem ich bei diesem Wochenende ja dabei sein durfte - André hat mir ein Zelt geliehen und war ein klasse Scout- bin ich echt begeistert von den Vogesen. Dort kann man sich echt schwindlig fahren.
Wir sind die Route De Crete - unter anderem - gefahren und viele weitere schöne Strecken. Auch wenn es ein kurzes Wochenende war, war es ein klasse Wochenende, das ich mit Sicherheit wiederholen werde.

Viele Grüße
Jürgen
 

Hueni

Paragrafenreiter
Das geile an den Vogesen ist halt der wenige Verkehr. Wobei, ab dem 01.10. haben die im Grand Est 36 private bzw zivile Videowagen zur Verkehrsüberwachung eingesetzt. Ich hatte am Sonntag zwei Mal PKW auffällig dicht hinter mir. Habe dann einfach angehalten und kurz was getrunken. War mir nicht sicher, ob das schon "der Feind" war 😉
 

Hueni

Paragrafenreiter
...in einem anderen Forum hat der Admin ein Treffen in den Vogesen am Col de Bussang vorgeschlagen. Ich könnte auch schon wieder....😊
 
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